Geschichte

Festung Hohenasperg im Wandel der Zeit

Die Festung Hohenasperg ist einer der markantesten historischen Orte Baden-Württembergs. Was als keltischer Fürstensitz begann, wurde im Mittelalter zum Hochadelssitz und danach zur Landesfestung und zum berüchtigten Staatsgefängnis. Ab 1883 dient die Festung nur noch dem Strafvollzug. Die wechselvolle Geschichte des Berges spiegelt politische Umbrüche, militärische Konflikte und gesellschaftliche Entwicklungen in Württemberg und Deutschland wider.

Von der "Keltenburg" zur Landesfestung

Der Hohenasperg war bereits um 500 v. Chr. ein bedeutender keltischer Fürstensitz und überregionales Zentrum der Späthallstatt- und Frühlatènezeit. Im Mittelalter entstand auf dem Bergplateau eine Burg, die im 12. Jahrhundert an die Pfalzgrafen von Tübingen kam und im Jahr 1308 an die Württemberger überging. Nachdem die mittelalterliche Burg in Kriegen mit den Reichsstätten 1312 fast völlig zerstört worden war, wurde zum Schutz der Stuttgarter Residenz ab 1360 eine Frühfestung mit starken Mauern, Türmen, Graben und Schlossgebäude errichtet.

Die heutige Festung entstand ab 1535 unter Herzog Ulrich. Sie war eine der sieben Landesfestungen Württembergs. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Festung 11 Monate lang durch kaiserliche Truppen belagert. In dieser Zeit lebten etwa 2000 Menschen in der Festung: Etwa 1200 Soldaten unter schwedischer Führung und 800 Geflohene aus der Umgebung. 1688 und erneut 1693 besetzten französische Truppen die Anlage, was den Beginn ihres militärischen Niedergangs markierte.

Zeichnung von Albrecht Dürer, Belagerung Hohenasperg aus dem Jahr 1519

Vom Wehrbau zum Staatsgefängnis

Ende des 17. Jahrhunderts verlor der Hohenasperg seine strategische Bedeutung für die Landesverteidigung. Ab 1737 diente die Festung zunehmend als Staatsgefängnis für prominente Insassen, während sie weiterhin als Garnison genutzt wurde – ein Zustand, der bis 1883 andauerte. Zwischen 1800 und 1945 waren rund 15.000 Menschen auf dem Hohenasperg inhaftiert.

Im Lauf der Zeit erhielt die Festung verschiedene Beinamen: „Schwäbische Bastille”, „Tränenberg” oder „Demokratenbuckel”. Diese Namen verweisen auf ihre Rolle als politisches Gefängnis, in dem über die Grenzen Württembergs hinaus bekannte Dissidenten, Revolutionäre und Regimekritiker einsaßen. Im Jahr 1894 wurde der Hohenasperg zum Gefängnis für den zivilen Strafvollzug umgewidmet. Seit 1968 ist hier das Justizvollzugskrankenhaus für Baden-Württemberg untergebracht.

Der prominenteste Häftling war der Dichter, Journalist und Komponist Christian Friedrich Daniel Schubart. Herzog Carl Eugen ließ ihn im Jahr 1777 ohne Prozess auf dem Hohenasperg einsperren, wo er bis 1787, also zehn Jahre lang, inhaftiert war. Grund dafür waren Schubarts sozialkritische Schriften, in denen er die Dekadenz der Herrschenden anprangerte. Sein Schicksal soll Friedrich Schiller zu seinem Drama „Die Räuber” inspiriert haben. Bereits 1737/1738 wurde Joseph Süß Oppenheimer, auch bekannt als „Jud Süß“, auf dem Hohenasperg inhaftiert und später Opfer eines Justizmordes.

Zu den weiteren bekannten Gefangenen zählten der Nationalökonom Friedrich List (1824/25), der Schriftsteller Berthold Auerbach (1837) und der Arzt und Dichter Theobald Kerner (1850/1851) sowie zahlreiche Teilnehmer der Revolution von 1848. Der Hohenasperg wurde zum Symbol staatlicher Willkür und der Unterdrückung von Freiheitsbewegungen. Inhaftierte gaben dem Berg die Beinamen „Tränenberg“, „Demokratenbuckel“ oder „Schwäbische Bastille“.Diese Namen verweisen auf seine Rolle als politisches Gefängnis, in dem über die Grenzen Württembergs hinaus bekannte Dissidenten, Revolutionäre und Regimekritiker einsaßen.
Im Jahr 1883 wurde der Hohenasperg zum Gefängnis für den zivilen Strafvollzug umgewidmet, zunächst als Zweiganstalt des Ludwigsburger Zuchthauses, ab 1948 als eigenständige Strafanstalt.

m 20. Jahrhundert saßen auf dem Hohenasperg sowohl NS-Gegner wie Eugen Bolz als auch verurteilte NS-Täter ein. 1977 wurde der RAF-Terrorist Günter Sonnenberg auf die Festung gebracht. Zu den späteren politischen Gefangenen zählt der „Remstal-Rebell” Helmut Palmer.

Ein Ort der Erinnerung

Das Museum Hohenasperg erinnert heute an die dreihundertjährige Justizgeschichte der Festung. Die Ausstellung gibt Einblicke in das Leben von 23 Gefangenen und zeigt die Gründe für ihre Inhaftierung – von politischen Idealisten über Kriegsgefangene bis zu Verfolgten des Nationalsozialismus war alles dabei. Als „Hausberg der schwäbischen Intelligenz” steht der Hohenasperg bis heute für Unterdrückung und Freiheitsliebe. Die Festung steht somit für mehr als nur Architektur und Militärgeschichte: Sie ist ein Ort, an dem sich die deutsche Geschichte mit all ihren dunklen und lichtvollen Momenten widerspiegelt.

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